Fachhochschulzentrum Bahnhof Nord St. Gallen

 
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2. Rang / 2. Preis Projekt Nr. 41Kennwort Montana

 

Verfasser

Peter Oestreich + Markus Schmid, Dipl. Architekten HTL/STV

Krügerstrasse 24, 9000 St.Gallen

Mitarbeit

Manuela Keller, Preza Pajkic

 

Haustechnik-Ingenieur

Tramonti, Gebäudetechnik AG, 9015 St.Gallen

 

Landschaftsarchitekt

Tobias Pauli, Landschaftsarchitekt BSLA, Davidstrasse 40, 9001 St.Gallen

 

Verkehrsplaner

Strittmatter Partner AG, Andreas Bernhardsgrütter, St.Gallen

Mit zwei gegliederten, wohlproportionierten Baukörpern wird dem Bahnhof Quartier Nord die Bedeutung als Fachhochschulort gegeben. Das Erweiterungspotential gegen Westen und Süden wird mit der Lage und Dimension präzise fixiert. Die Anordnung des weniger hohen südlichen Instituts-Gebäudes stützt die städtebauliche Idee, die beiden Bahnhofzugänge Ost und West mit dem neu definierten Platz und der Verbindung zur Lagerstrasse attraktiv und benutzerfreundlich zu machen. Das fünfstöckige eigentliche Schulgebäude zwischen Tulpenstrasse und Haus Montana bilden zusammen mit dem Realersatz-Neubau den Abschluss gegen die Rosenbergstrasse.

Die Idee, Bus- und Taxivorfahrt beim Ostaufgang anzuordnen, trägt der näheren Verbindung zum heutigen Busbahnhof Rechnung und ermöglicht zusätzlich an der Ecke Lagerstrasse/Tulpenstrasse Plätze für Pw-Vorfahrten vorzusehen. Auf eine Fuss- und Radweg-Verbindung entlang der Geleiseanlagen beim Institutsgebäude wird zugunsten der aufgewerteten Lagerstrasse verzichtet. Die Gliederung des Bauvolumens zu den Fremdnutzern (West + Ost) mittels geschlossener Passage und einstöckigem Zwischenbau verunklärt die städtebauliche Blockbebauung und ergibt für die betroffenen Räume Belichtungsnachteile.

 

Die innerbetriebliche Organisation und die gewählte Nutzungsaufteilung auf zwei selbständige Ge-bäude erfüllt die Nutzeranforderungen, auch wenn die Räume für die Weiterbildung nur bedingt abtrennbar sind. Beim Durchschreiten der Gebäude bieten die äussere und innere Erschliessung differenzierte Raumerlebnisse. Auch die Gruppenräume und Büro-Sonderflächen in der Tiefe des Gebäudes sind geschickt den entsprechenden Lehrbereichen zugeordnet.

 

Nicht zu genügen vermögen das zweite Treppenhaus im Schulgebäude (Abschluss/Fluchtweg) und die Verbindung des Institutsgebäudes zur Garage. Die Nähe und Gliederungseinteilung des vorgeschlagenen östlichen Realersatzes propagiert eine Schulerweiterung in diese Richtung mit der Möglichkeit, später sogar das Haus Montana zu integrieren, ohne diese Entwicklung zwingend vorauszusetzen. Die gut erschlossenen zwei Garagengeschosse sind mit zwei Fahrstrasse für drei Parkreihen aufwendig organisiert. Auch die Anordnung der Kurzparkplätze können nur in Anbetracht der oberirdischen Vorfahrtsmöglichkeit genügen. Der Stützenraster und die Garagenform nimmt auf den darüber liegenden Bau keinen Bezug. Die in guter Verbindung zur Unterführung angeordneten Veloabstellplätze besetzen das Untergeschoss für den Realersatzbau Ost.

 

Die architektonische Ausformulierung will mit Offenheit und Transparenz das Leitmotiv sein. Die horizontal und vertikal offenen Durchgangsräume können die Kommunikation und die schulischen Aktivitäten fördern. Die glatte Glashaut wird auf der Süd- und Westseite geschuppt. Diese Fassadenabsätze verleihen dem Gebäude eine Eigenheit und können durch die Beschattungsanlagen genutzt werden. Nicht verständlich ist die Überdachung der Passage, die einer lesbaren, verträglichen Gebäudemasse entgegensteht. Ebenso hätte eine Ablösung und eigenständige Ausbildung der Westerweiterung gestalterische Vorteile. Die Detaillierung des gegenüber den Geleisen erhöhten Platzes und der Abgang zu Unterführung und Garage mit Treppe, Lift und Lichtschacht enthält Optimierungspotential.

Die konzeptionelle Klarheit der Bauten ermöglicht eine hohe Flexibilität der Nutzungen. Die Tageslicht- und Raumluftqualitäten sind den Projektverfassern ein Anliegen und werden in der Projekterläuterung beschrieben. Mit thermoaktiven Decken soll auch im Sommer ein verträgliches Raumklima erreicht werden.

 

Das Projekt weist das beste Verhältnis zwischen Kubatur und Bruttogeschossflächen aus. Zudem werden nur zwei Untergeschosse für die Parkierung benötigt und die ausgewiesenen Nutzflächen liegen unter dem Durchschnitt. Durch die Kompaktheit und die vorgelegten Kennwerte kann mit günstigen Baukosten gerechnet werden.

Das Projekt zeigt einen städtebaulich differenzierten Lösungsansatz mit zwei klaren Baukörpern, qualitativ guten Aussenräumen und eine in hohem Masse den Anforderungen genügende Raumprogrammerfüllung ohne die engen Vorgaben zu verletzen.