LZSG Salez - STRUKTURWANDEL

Projekt STRUKTURWANDEL Aussenbild

14 STRUKTURWANDEL  |  1. Preis

 

Andy Senn, Architekt BSA SIA

Feldlistrasse 31 a

9000 St.Gallen

 

Mitarbeit:

Antje Wanner, Marlise Kuratli, Pascal Tobler, Anike Duffner, Eva Weiler, Nick Eigenmann

 

Fachplaner:

merz kley partner ag, Konrad Merz, 9423 Altenrhein,

Gastro Fachplanung, Ruedi Menet, 9428 Walzenhausen

STRUKTURWANDEL Gipsmodell
STRUKTURWANDEL Innenraumperspektive

Gesamtlösung / Situation

Der Projektverfasser schlägt im Endausbau die Konzentration sämtlicher Nutzungen in einem grossmassstäblichen Gebäuderiegel entlang der Perimetergrenze vor. Zwischen dem Ersatzbau und der bestehenden Werkhalle wird ein grosszügiger, geschützter Aussenraum mit Kräuter-, Sortengärten und den Treibhäusern aufgespannt. Diese für die landwirtschaftliche Schule zentralen Anlagen sind damit optimal direkt dem Betrieb der bestehenden Werkhalle angegliedert.

Die Anlage öffnet sich gleichermassen ab der Parkierung der Sandgruebstrasse als auch von der Rheinhofstrasse her und kann so in der Erschliessung gut organisiert werden. Die ortsbauliche Setzung des grossmassstäblichen Baukörpers ist in der ländlichen Situation gut nachvollziehbar und bildet zusammen mit dem bestehenden Werkstattgebäude ein räumlich reizvolles Ensemble, das dem Ort eine neue eigenständige Identität verleiht.

Die Ausformulierung der Zugangssituation und Wegführung sollen unter dem Aspekt der Bildung einer Gesamtanlage in der Überarbeitung einfliessen.

 

Organisation / Funktionalität

Der Neubau ist als Holzbau konzipiert und bezüglich Tragwerk und räumlicher Ausbildung logisch und einfach strukturiert. Die grosszügigen Raumhöhen gewährleisten zusammen mit der gut erweiterbaren Holzkonstruktion eine nachhaltige Flexibilität gegenüber zukünftigen Veränderungen.

In der Nutzungsdisposition wird der Baukörper in drei Flügel unterteilt. Die einzelnen Funktionen sind organisatorisch und räumlich sowohl in der horizontalen wie auch vertikalen Entwicklung sinnvoll gegliedert und klar zugeordnet. Dank diesem Prinzip lässt sich die für die Belichtung und Nachhaltigkeit wichtige Überhöhung des Raumquerschnitts partiell, dort wo es die Nutzung erlaubt wie z.B. im Internatstrakt mit einem Zwischengeschoss geschickt reduzieren. Es ist in der Weiterbearbeitung zu überprüfen, ob diese Schnittdisposition ev. für den Verwaltungstrakt übernommen werden kann.

Die überzeugende Aufteilung des Neubaus in klar definierte Nutzungsbereiche führt zu einem betrieblich optimal funktionierenden Gebäude. An den Schnittstellen der einzelnen Gebäudetrakte, insbesondere bei der Treppenanlage zwischen Unterrichtsteil und Internat, wird diese räumliche Klarheit noch nicht vollständig erreicht. Die Haupttreppe ist hingegen attraktiv in einen zweigeschossigen Raum integriert und zoniert durch ihre Positionierung Mehrzweck-, Schul- und Verwaltungsbereich. Es entsteht folgerichtig ein inneres Zentrum, das die Wegführung bündelt und die Orientierung im Gebäude raffiniert löst. Die gut möblierbaren Unterrichtszimmer sind quadratisch ausformuliert, was bei einer Raumtiefe zusammen mit der vorgelagerten Arkadenzone von gut 10 Metern auf der Innenseite zu knappen Tageslichtverhältnissen führen kann. Hier wäre ein klassischer Schulzimmerschnitt mit einer zweiseitigen Belichtung zu überprüfen.

Im architektonischen Ausdruck wird das Gebäude sorgfältig durchgebildet. Den Fassaden wird in einer präzisen Ausformulierung eine arkadenartige Schicht vorangestellt, die in angenehmer Distanz den Ort für den Sonnenschutz bildet. Diese vorgelagerte Schicht erfüllt eine wichtige Funktion als Fassadenschutz und als gliederndes Element. Die Aussenterrasse wird als geschützter Raum in den Baukörper eingeschnitten, was bei den Windverhältnissen im Rheintal sinnvoll ist.

 

Etappierung

Mit dem Bau des Internatstraktes in der ersten Etappe besteht noch ein grosses Optimierungspotential, bei dem der Projektvorschlag gänzlich ohne Provisorien auskommt. Die Disposition der Baukörper ergibt auch in der Übergangszeit eine sinnvolle, in sich abgeschlossene volumetrische Situation, sodass die zweite Etappe nicht zwingend notwendig ist.

 

Energie, Gebäudetechnik und Ökologie

Die Kompaktheit des Baukörpers ist durchschnittlich und das Volumen nicht allzu gross. Es werden ökologisch gut vertretbare Baustoffe vorgeschlagen. Bezüglich des sommerlichen Wärmeschutzes ist der Anteil der Fenster im Verhältnis zur Fassade ausgewogen. Gesamthaft ist der Vorschlag im Bereich Energie, Technik und Ökologie als überdurchschnittlich zu beurteilen.

 

Wirtschaftlichkeit

Das Projekt weist insbesondere wegen dem Wegfall von Provisorien ein gutes Kosten-Nutzen Verhältnis und insgesamt durchschnittliche Kostenaufwendungen auf. Die klare Baustruktur lässt ebenfalls eine gute Wirtschaftlichkeit in der Ausführung erwarten.

 

Fazit

Der Projektvorschlag «STRUKTURWANDEL» erscheint in der ortsbaulichen Disposition und als Gesamtanlage in allen Phasen der Etappierung plausibel und ausgewogen. Die Entwicklung des Baukörpers weist in der architektonischen und funktionellen Durchbildung und in der langfristig angelegten Flexibilität der Baustruktur sehr hohe Qualitäten und ein zusätzliches Optimierungspotential auf. Im landschaftlichen Kontext überzeugt insbesondere die feingliedrige, ruhige zweigeschossige Silhouette des langgezogenen und sensibel dem Terrain aufgesetzten Baukörpers.

 

Das sorgfältig ausgearbeitete Projekt überzeugt in allen Beurteilungskriterien.